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Besuch im Kloster Wernberg

Von Martin Sturmer, 31. Mai 2018

Auf einem Felsen über der Drauschleife östlich von Villach thront das Schloss Wernberg. Seit dem Jahr 1935 ist der Renaissancebau ein Kloster der Missionsschwestern vom Kostbaren Blut.

Die Entstehung des Klosters Wernberg ist eng mit dem österreichischen Trappisten Franz Pfanner verbunden. Pfanner wurde am 21. September 1825 in Langen bei Bregenz geboren wurde. Sein Vorname bei der Geburt lautete Wendelin.

1850 wurde Pfanner zum Priester geweiht. Bis 1858 wirkte er als Pfarrer in der Expositur Haselstauden in Dornbirn. Von dort wurde er allerdings von Fürstbischof Vinzenz Ferrer Gasser abberufen und nach Zagreb versetzt, wo er als Beichtvater und Gefängnisseelsorger tätig war.

schlosshof-kloster-wernberg-10005b58826e062faDer Innenhof von Kloster Wernberg mit Bick auf den Osttrakt (Johann Jaritz - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 at, Link)

Im Jahr 1863 trat er in die Abtei Mariawald in der Eifel ein. Hintergrund der Entscheidung war eine lebensbedrohliche Tuberkuloseerkrankung. Laut Clemens Gütl von der Österreichischen Akadmie der Wissenschaften hoffte er, sich mit der "asketisch-kontemplativen Lebensform der Trappisten seelisch optimal auf den Tod vorbereiten zu können."

Überraschenderweise gesundete Pfanner in Mariawald schnell. 1864 legte Pfanner die Profess ab und nahm den Ordensnamen Franz (nach Franz von Assisi) an. Dort gelang ihm rasch der Aufstieg in der Klosterhierarchie: Nach wenigen Wochen war er bereits Suprior, 1865 wurde er zum Novizenmeister ernannt.

Von Bosnien nach Südafrika

Am 23. Juli 1867 wurde Franz Pfanner ausgesandt, um ein neues Kloster zu gründen. 1869 gründete er in Banja Luka die Trappistenabtei Marija-Zvijezda (Mariastern). Motiviert durch diesen Erfolg wollte Pfanner in Zentralbosnien Mitte der 1870-er Jahren ein weiteres Kloster mit den Namen Mariannaberg gründen, diese Pläne scheiterten allerdings.

1879 ereilte Franz Pfanner der Ruf von Bischof James Ricards aus Südafrika. Pfanner sollte in Kapkolonie ein Kloster aufbauen. Nach einem Fehlschlag in Dunbrody gründete Franz Pfanner am 27. Dezember 1882 das Kloster Mariannhill in der Nähe von Durban.

Mariannhill entwickelt sich bald zu einem Zentrum der katholischen Kirche in Südafrika. Laut Clemens Gütl galt die Abtei als touristische Attraktion, u. a. haben etwa Mark Twain und Mahatma Gandhi Mariannhill besucht.

franz-pfanner-wernberg-1000Franz-Pfanner-Statue im Innenhof des Kloster Wernberg (Bild: Martin Sturmer)

Im Jahr 1885 rief Pfanner für den Aufbau seiner Aktivitäten deutsche Missionshelferinnen ins Land. Der 8. September 1885 wurde somit zum Geburtsstag der Missionsschwestern vom Kostbaren Blut. Franz Pfanner wurde zum ersten Abt des Klosters Mariannhill. Er verstarb am 24. Mai 1909 in Emaus, seiner letzten Filialgründung in der Kapkolonie. 

Von Südafrika nach Kärnten

Bereits 1906 hatten die Missionsschwestern vom Kostbaren Blute die kirchliche Anerkennung als eigenständige Kongregation erhalten. Unter der Generaloberin Schwester Maria Paula Emunds kam es zu zahlreichen Klostergründungen in Afrika, Europa und den USA. Heute zählt die Gemeinschaft 1.000 Schwesern in 97 Niederlassungen.

1935 erwarben die Missionsschwestern Schloss Wernberg bei Villach in Kärnten. Die Existenz der Burg Werdenberch ist seit dem Jahr 1227 urkundlich belegt. 1519 kam die Burg in Besitz des Adelsgeschlechts der Khevenhüller, die ihren Stammsitz auf Burg Landskron hatten. Als Landeshauptmann von Kärnten, Georg von Khevenhüller (1533-1587), ließ Wernberg zu seinem Sommerschloss ausbauen.

kloster-wernberg-nordportal-1000Das Nordportal von Kloster Wernberg auf dem Jahr 1575: Das Relief oberhalb des Portals (Supraporte) zeigt Georg von Khevenmüller mit seinen beiden Ehefrauen (Bild: Martin Sturmer)

Sein Nachfolger Paul Khevenhüller verkaufte das Schloss 1630, da er als Protestant im Zuge der Gegenreformation nach Schweden auswandern musste. Die nachfolgenden Jahrhunderte waren durch zahlreiche Besitzwechsel gekennzeichnet.

Heute bietet das Kloster Wernberg ein Gästehaus, einen Kindergarten, ein Bildungshaus mit spirituellen Angeboten, eine eigene Landwirtschaft sowie einen Klosterladen. Neben landwirtschaftlichen Erzeugnissen sind dort auch die Klosterschätze aus Wernberg zu finden, wie etwa der Pilgerbalsam aus Beinwell, Johanniskraut, Arnika und Ringelblume oder der Frühlingstrank mit Wermut nach dem Originalrezept von Hildegard von Bingen.

Titelbild: Das Kloster Wernberg von Süden (Foto: Johann Jaritz - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 at, Link)

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