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Ludwig der Bayer und das Kloster Ettal

Von Martin Sturmer, 10. Jänner 2019

Das Kloster Ettal ist eine der prunkvollsten monastischen Anlagen. Die Gründung war das Resultat eines Konflikts zwischen Papst Johannes XXII. und Ludwig IV., der vom Papst als Ludwig der Bayer verhöhnt wurde.

Als Stiftungstag des Kloster Ettals gilt der 28. April 1330. Der Gründung ging ein Konflikt zwischen dem Avignoner Papst Johannes XXII. und Ludwig IV. voraus. Nachdem Ludwig ohne Approbation durch den Papst den Titel eines römisch-deutschen Königs führte und sich in Oberitalien politisch betätigte, wurde er 1324 exkommuniziert. Der Kirchenbann blieb bis zu Ludwigs Tod 1347 aufrecht.

Diesem Konflikt verdankte Ludwig IV. auch seinen Beinamen „der Bayer“. Ludwig brach 1327 nach Italien auf und ließ sich in Mailand zum italienischen König krönen. Papst Johannes XXII. verurteilte ihn darauf als Häretiker und sprach ihm alle verbliebenen Rechte an Gütern ab. In der päpstlichen Korrespondenz wurde der Wittelsbacher fortan als Ludovicus Bavarus (Ludwig der Bayer) bezeichnet und damit als rang- und würdelos erachtet.

Die Maßnahmen hinderten Ludwig aber nicht an der Fortsetzung seines Italienzugs. Im Jänner 1328 wurde er in der Petruskirche vom römischen Volk zum Kaiser gekrönt. Im Hausvertrag von Pavia regelte er 1829 die Erbfolge des Hauses Wittelsbach. Die Nachkommen seines Bruders Rudolf I. sollten die Pfalz erhalten, Ludwig erhielt im Gegenzug Oberbayern.

ettaler-madonna-1000-wpDie Ettaler Madonna brachte Ludwig IV. von seinem Italienzug mit. (Bild: Mattana, Eigenes Werk, Gemeinfrei, Link)

Im Februar 1330 kehrte Ludwig nach Bayern zurück. Mit im Gepäck hatte er eine Marmorstatuette, die heute als Ettaler Madonna verehrt wird. Ludwig hatte Ettal als Gelöbnisstiftung gegründet, die seine Gläubigkeit unterstreichen sollte. Daneben sollte Ettal aber auch die Südgrenze des Herzogtums Bayern markieren und den Handel zwischen Augsburg und Italien an der Route über die Via Claudia Augusta über den Reschenpaß und Trient fördern.

Als Abtei blieb Ettal bis in das 17. Jahrhundert relativ unbedeutend. Zur Hochblüte gelangte das Kloster erst nach einer Katastrophe: Im Jahr 1744 wurden die Anlage bei einem Brand weitgehend vernichtet. Kirche, Kloster und Bibliothek wurden im Stil des Rokoko nach den Plänen des Münchner Hofarchitekten Enrico Zucalli neu errichtet. Das prächtige Deckenfresko in der Hauptkuppel der Klosterkirche wurde von Johann Jakob Zeiler aus dem nahegelegenen Reutte in Tirol geschaffen.

ettal-kuppel-1000-wpDas prächtige Kuppelfresko der Klosterkirche wurde von Johann Jakob Zeiler aus Reutte in Tirol geschaffen. (Bild: Mattana – Eigenes Werk, Gemeinfrei, Link)

Im Zuge der Säkularisation wurde der Konvent am 1. April 1803 aufgehoben und die Gebäude verkauft. Rund 100 Jahre später wurde das Kloster neu gegründet. Heute gehören zum Kloster landwirtschaftliche Betriebe, ein Gymnasium samt Internet, mehrere Gasthöfe, ein Hotel, ein Kunstverlag, eine Destillerie sowie eine Brauerei.

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