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Dem Leben auf der Spur bleiben

Begleiten und begleitet werden!

Ein wesentlicher Teil der Klosterheilkunde ist die geistliche Begleitung, oder die spirituelle Lebensbegleitung. Sie wird im Allgemeinen der Seelsorge zugeordnet, ist aber für die Benediktinermönche ein wichtiger Teil der Klosterheilkunde, deren Anliegen es ist, dem Menschen zu helfen, ein ganzheitliches, erfülltes Leben zu ermöglichen. Wenn Klosterheilkunde mehr sein soll als die Anwendung von Heilpflanzen, dann ist Beratung und Reflexion des gesamten Lebens ein wichtiger Baustein zum gesund Werden und Bleiben. Spirituelle Lebensbegleitung war und ist seit Bestehen der Benediktinerklöster eine selbstverständliche Praxis der Mönche. Lange Zeit ist sie geübt worden und hat in den letzten Jahren wieder eine große Resonanz gefunden. Das Europakloster Gut Aich in St. Gilgen am Wolfgangsee bietet seit der Gründung 1993 einen zweijährigen Ausbildungskurs für geistliche Begleitung an. In ihm lernen interessierte Frauen und Männer, wie geistliche Begleitung gelingen kann, und üben gemeinsam diese „Lebenskunst“. 

Geistliche Begleitung im Kloster Gut Aich

Geistliche Begleitung ist eine Form spirituellen Handelns, das den gesamten Menschen betrifft und ihn mit seiner physischen, psychischen und religiösen Wirklichkeit wahr und ernst nimmt.

Ziel der geistlichen Begleitung ist, Menschen auf ihrem Lebens- und Wandlungsweg zu begleiten, zu stützen, zu beraten und gemeinsam mit ihnen einen guten Lebensweg zu finden.

Für die Begleiterin / den Begleiter ist es wichtig, die Unterscheidung der Geister (psychologisch: Differenzialdiagnose) zu lernen, um zu erkennen, in welchem Bereich eine Erfahrung z. B. eine Störung liegt und auf welcher Ebene der Mensch kompetente Hilfe braucht. Spirituelles Leben ist mehr als eine Aneinanderreihung von religiösen Vollzügen. Gebete, Rituale, Bibelgespräche und Exerzitien können wichtige Bestandteile des geistlichen Lebens werden, wenn sie alle Erfahrungen des Menschen miteinbeziehen. Geistliche Begleitung (auf der Grundlage der Spiritualität des hl. Benedikt) will dabei helfen das Leben und alle Erfahrungen miteinander in Beziehung zu setzen.

Ein alter weiser Mönch, befragt danach, wie er geistliches Leben gelernt hat, antwortete wie folgt: „Ich habe in meinem Leben nur drei Bücher gelesen: die hl. Schrift, die hl. Regel und ein Betrachtungsbuch. Dabei habe ich entdeckt, dass ich das meiste nicht verstehe, weder in der hl. Schrift, noch in der hl. Regel, noch in irgendeinem anderen Buch. Ich habe mir überlegt, was für mich und mein geistliches Leben am besten ist. Dabei bin ich auf zwei Fragen gekommen. Die erste Frage ist: Wo und wie stehe ich jetzt vor meinem Gott? Die zweite Frage ist: Was muss ich jetzt tun, damit ich ihm einen Schritt näher komme?“ Und er hat hinzugefügt: „Du glaubst gar nicht, wie interessant mein ganzes Leben geworden ist. Besonders dankbar war ich dafür, wenn mich jemand auf diesem Weg begleitet hat.“

Leben im Hier und Jetzt

Geistliche Begleitung will eine Erfahrung mit dem Leben „im Jetzt“ ermöglichen. Wer nicht in der Gegenwart lebt, wird weder sich selbst, noch einen anderen, noch Gott, der gegenwärtig ist, erfahren. Es gibt drei wesentliche Erfahrungsebenen des Menschen. Zum einen erfährt sich der Mensch in seiner physisch / psychischen Wirklichkeit mit all seinen Daseinsschwierigkeiten und Schönheiten. Thema der geistlichen Begleitung ist also auch die physisch / psychische Wirklichkeit, alle Leiden und Schmerzen, alle Traurigkeit und Fröhlichkeit. Die zweite Erfahrungsebene sind unsere Beziehungen zu unserer konkreten Lebensumwelt. Auch in ihr wird Gott erfahren. Die dritte Erfahrungsebene ist die spirituelle Praxis und Erfahrung. Geistliche Begleitung will helfen diese drei Erfahrungsebenen miteinander in Beziehung zu setzen. Ein Mensch erfährt, dass eine religiöse Erkenntnis sich in sein alltägliches Leben, in die Arbeit, in den Beziehungen auswirkt. Erst wenn Erfahrungen auf allen drei Ebenen miteinander in Beziehung sind, sprechen wir von einer ganzheitlichen Erfahrung. Der geistliche Begleiter versucht zu helfen, diese drei Ebenen miteinander in Beziehung zu bringen.

Geistliche Begleitung als Prozess

Geistliche Begleitung hilft das gesamte Leben in seinen vielfältigen Beziehungen zu betrachten, Schwierigkeiten zu verstehen und zu lösen und in den Höhen und Tiefen des Alltags zu einer bewussteren Lebensgestaltung, zu einer intensiveren Selbstbeziehung, zu einer echten Beziehung zu den Menschen und zu einer guten Gottesbeziehung zu kommen. Auf diesem Lebens- und Wandlungsweg sollen Heil- und Heilserfahrungen gemacht werden. Für den Begleiter ist es wichtig, die „Unterscheidung der Geister“ zu lernen, um zu erkennen in welchem Bereich die Frage, die Störung oder das Anliegen besteht und auf welcher Ebene der konkrete Mensch kompetente Hilfe braucht. Geistliche Begleitung auf der Grundlage der Spiritualität der Regel des hl. Benedikt entwickelt sich als Prozess in verschiedenen Schritten oder Stufen sowohl in einem einzigen Gespräch, aber auch in einer längeren Begleitung. Diese acht Schritte gehören zum wesentlichen Bestandteil der Klosterheilkunde: 

Der erste Schritt ist die Intensivierung der Wahrnehmung. Alles Leben beginnt mit der Wahrnehmung der gesamten Wirklichkeit des Menschen und der Welt. Der hl. Benedikt sagt als erstes Wort seiner Regel: „Höre, nimm wahr!“

Der zweite Schritt ist die Fähigkeit das Wahrgenommene in Worte zu fassen. Der Begleiter und der Begleitete lernen gemeinsam, innere und äußere Empfindungen, Gefühle, Verstandeseinsichten, Schönes und Schweres auszudrücken.

Wenn Wahrnehmung und Thematisierung geglückt sind, folgt als dritter Schritt die Notwendigkeit Wahrnehmung und Thema zu strukturieren. Geistliche Erfahrung braucht immer einen vernünftigen Rhythmus und eine gute Struktur.

Aus den vorausgegangenen Schritten ergibt sich logischerweise das Bedürfnis und die Notwendigkeit der Interaktion, der Bewegung um die Erfahrung und das Thema. Interaktion kann im Reden und Schweigen, in Körpererfahrung, in gemeinsamer Arbeit und in einem zweckfreien Miteinander erfolgen. Je offener so miteinander „gearbeitet“ wird, desto größer werden die Erfahrungen.

Nach jeder dieser Erfahrungen haben die meisten Menschen das Bedürfnis, darüber zu sprechen, was geschehen ist. Diese interaktive Reflexion wird die konkreten Erfahrungen ernst nehmen und eine Sinndeutung des Lebens suchen.

Wenn diese Schritte gelungen sind, kommt es zu einer großen Freude und Dankbarkeit, weil ich aus diesen Erfahrungen zu einem neuen Lebenssinn gefunden habe. Die Freude und Dankbarkeit führt gleichzeitig zu einer erneuten Wahrnehmung und zu einem neuen Prozess.

Qualifikationen des spirituellen Begleiters

Eine gute geistliche Begleiterin zeichnet sich dadurch aus, dass sie nicht nur intuitiv sondern auch sehr bewusst weiß, was sie tut und sich durch ihre Ausbildung und vor allem durch ihr Leben für diese Aufgabe qualifiziert hat.

Ein geistlicher Begleiter muss selber Erfahrung der geistlichen Begleitung gemacht haben und seine eigene religiöse Praxis überprüfbar und glaubwürdig transparent machen. Er muss fähig sein, wichtige eigene Lebensfragen auf einer spirituellen Ebene zu lösen. Zur Ausbildung gehören Selbst- und Andererfahrung, prozessorientiertes Arbeiten, differenzialdiagnostisches Handwerkszeug, Grundkenntnisse in der Gesprächsführung, Einzel- und Gruppenerfahrungen, behutsamer Umgang mit dem eigenen und fremden Körper, Kreativität und die reflektierte Einübung des Begleitens durch Supervision.

Themen der spirituellen Lebensbegleitung

Die Themen der geistlichen Begleitung sind vielfältig wie das Leben. Immer aber stehen das Ziel der Orientierung im eigenen Leben und die Klärung der vielfältigen Beziehungen im Mittelpunkt. Es gehört ein hohes Maß an Demut und Liebe dazu, jemanden auf dem Weg zu begleiten und sich selber überflüssig zu machen, damit der Begleitete wieder neu eine Beziehung zu sich, zu den Menschen, zur Welt und vor allem zu Gott findet. Dazu kommt ein hohes Maß an Wissen und große Geduld, um Lebensprozesse zu erkennen und zu klären. Diese Kommunikation geht bei aller unterschiedlichen Begabung und Voraussetzung davon aus, dass alle am Prozess Beteiligten auf einer gleichen Ebene stehen.

Geistliche Begleitung ist Zusammenarbeit auf dem Weg der Menschwerdung. Manche nennen sie auch „Therapie für Gesunde“. Daran sind immer mehrere beteiligt. Der Begleitete steuert seine eigene Geschichte, seine Offenheit, sein Mitteilungsbedürfnis, Schmerz, Freude und Trauer, seine Fähigkeit zur Auseinandersetzung bei. Der geistliche Begleiter bringt durch sein Zuhören und durch seine Erfahrung neue Aspekte in diesen Prozess ein. Beide vereinigt der Glaube, dass es möglich ist, Lebensprozesse bewusster zu klären und zu erleben. Diese Erfahrung gibt Hoffnung nicht nur für die enge Beziehung der geistlichen Begleitung, sondern ist auch ein Modell für das Zusammenleben der Menschen insgesamt, für die Beziehung von Völkern, unterschiedlichen Rassen und Religionen.

Spirituelle Lebensbegleitung und Klosterheilkunde

Es ist den Mönchen des Klosters Gut Aich ein großes Anliegen, dass sie Klosterheilkunde, die das Gesundwerden und -bleiben vermitteln möchte, auch auf der Ebene der spirituellen Lebensbegleitung vermitteln. Denn der Mensch ist eine Einheit von Leib und Seele und braucht spirituelles Wissen ebenso wie die Kenntnis von Heilpflanzen, oder Bewegung. Deshalb bieten sie in ihrem Kloster die Ausbildung für geistliche Begleitung an. 

 

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