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Der Benediktiner-Orden

Die Benediktiner (lateinisch Ordo Sancti Benedicti, OSB) sind ein kontemplativ ausgerichteter Orden (bewußtes Leben in Stille und Abgeschiedenheit) innerhalb der römisch-katholischen Kirche. Auch im Anglikanismus und vereinzelt im Luthertum sind benediktinische Klöster erhalten geblieben. Benannt ist er nach dem Heiligen Benedikt von Nursia und er gilt als der älteste Orden des westlichen Ordenslebens. Bezeichnend sind die Grundsätze des Ordens, die neben der Ordensregel Regula Benedicti alles enthalten, was den Benediktinerorden auszeichnet: „Ora et labora et lege“ (lateinisch: „Bete und arbeite und lies“). Drei Gelübde legt der Benediktinermönch im Laufe seines Ordenslebens ab:

  • Stabilitas (Beständigkeit in der Gemeinschaft)
  • Klösterlichen Lebenswandel
  • Gehorsam

 

Als ein Motto der Benediktiner kann gelten: „Ut in omnibus glorificetur Deus – Auf dass Gott in allem verherrlicht werde“.

Soweit in kurzen einleitenden Worten zum Benediktinerorden. Aber die Geschichte des Ordens beginnt ja viel früher. Und um diese Geschichte auch zu verstehen, müssen wir uns in das Jahr 480 n. Chr. begeben.  

In diesem Jahr wird in Nursia, dem heutigen Norcia in Umbrien / Italien, ein Junge als Sohn eines reichen Landbesitzers geboren und auf den Namen Benedikt getauft. Er lebte in der Zeit des Übergangs von der Spätantike zum Mittelalter und er wird Jahre später als der Ordensvater der Benediktiner in die Geschichte eingehen. Aber langsam der Reihe nach, denn zunächst einmal ging der Bub in die Schule. Nach der Schulzeit in Nursia studierte Benedikt in Rom, was ihm der Wohlstand seiner Familie ermöglichte.

Von der Sittenlosigkeit seiner Mitstudenten jedoch enttäuscht, ging er bereits nach kurzer Zeit in die Berge nach Enfide (dem heutigen Affile / Provinz Rom) und lebte dort mit einer Gruppe von Einsiedlern, bevor er sich drei Jahre lang in eine Höhle bei Subiaco östlich von Rom zurückzog. Über dieser Höhle wurde im 12. Jahrhundert das Kloster San Benedetto gegründet. In dieser Zeit wurden immer mehr Menschen auf Benedikt aufmerksam und bald stand er dem nahe gelegen Kloster in Vicovaro vor. Dabei stieß er jedoch auf großen Widerstand der Mönchsgemeinschaft, die sogar versuchte, ihren unbequemen Abt mit vergifteten Wein umzubringen.

Benedikt kehrte wieder in das Tal von Subiaco zurück und gründete in einem Gebäude der Nerovilla das Kloster San Clemente sowie zwölf weitere, kleine Klöster – unter ihnen das als einzige noch heute erhaltene Kloster Scolastica. Vermutlich aufgrund eines Konflikts mit dem Bischof von Tivoli, dem der zunehmende Einfluss Benedikts in seiner Diözese ein Dorn im Auge war, zog er 529 mit einer kleinen Schar treuer Anhänger auf den 80 km südöstlich gelegenen Berg Monte Cassino. Dort gründete er das Kloster, das als Mutterkloster der Benediktiner gilt. Er führte dort die Gemeinschaft und schrieb für sie noch im selben Jahr auch seine berühmte „Regula Benedicti“. Die Benediktsregel versteht sich als Anleitung für Anfänger im klösterlichen Leben und empfiehlt als Ergänzung für Fortgeschrittene die Regel des heiligen Basilius von Caesarea. Sie besteht aus einem Prolog und 73 Kapiteln und ist im Wesentlichen für die Mönche ein Konzept von Zucht und Maß:

  • Zölibatäres Leben
  • Einfache Ernährung (auf Fleisch vierfüßiger Tiere wird verzichtet, maximal eine gekochte Hauptmahlzeit am Tag, Beschränkung des Weinkonsums)
  • Feste Zeiten für Gebet, Schriftlesung, Arbeit und Schlaf 
Heilige-BenediktDer Heilige Benedikt schreibt seine Regel
(Herman Nieg, 1926)

Das Modell des monastischen Lebens für Benedikt war die Familie mit dem Abt als Vater und Mönchen als Brüdern. Wesentliche Eigenschaften, die ein Mönch nach der Benediktsregel haben muss, ist die Suche nach Gott. Das Leben im Kloster soll dafür den geeigneten Rahmen schaffen. Benedikt selbst bezeichnet das Kloster als Schule für den Dienst am Herrn. Obwohl er der gesellschaftlichen Elite angehörte, widmete er sich der körperlichen Arbeit und gab dies seinen Nachfolgern mit auf den Weg. Das Klosterleben der Benediktiner ist durch das Gebet geprägt. Im Mittelpunkt steht nicht das Gebet des Einzelnen, sondern das Gebet in der Gemeinschaft, was durch den  irrtümlich oft ihm zugeschriebenen benediktinischen Grundsatz „Ora et labora et lege“ („Bete und arbeite und lies“)  - dieser ist in Wahrheit erst im Spätmittelalter aufgekommen – der Benediktiner gekennzeichnet ist. Benedikt selbst verbindet in seiner Regel Arbeit mit Lesung und gibt dem Tag eine klare Struktur. Der Tagesablauf der Mönche wird gegliedert durch den Gottesdienst, dem nach der Regel nichts vorgezogen werden darf. Wie im Mönchstum üblich wurden Psalmen gebetet, nach der Regel alle 150 innerhalb einer Woche. In der heutigen Zeit oft auf zwei Wochen verteilt.

Die Regula Benedicti unterscheidet sich ein wenig von anderen klösterlichen Regeln dieser Zeit. Benedikt hatte bei ihrer Abfassung keine ordensartigen Strukturen vor Augen. Er wollte, ebenso wie andere Regelautoren, die Verhältnisse in seinem Haus klären. Ein Aspekt, der die spätere Sonderstellung der Regel erklären könnte, ist die Nivellierung von Standesunterschieden: Die Rangfolge der Mönche orientierte sich, von durch den Abt bestimmten Ausnahmen abgesehen, einzig daran, wie lange sie dem Orden schon angehörten. Sozusagen nach dem Dienstalter. Dies konnte den elitären Charakter der Klöster abschwächen, die zuvor eher als Einrichtungen von und für Adlige verstanden worden waren. Sozial niedrig(er) Gestellte sahen im Klostereintritt eine Chance zu gesellschaftlichem Aufstieg. Auch die relative Milde der Regelungen zur Askese und die relative Kürze der Regula Benedicti durch die Nichtbeachtung sonst üblicher Regelungen erleichterte es, diese in andern Klöstern, Ländern bzw. Klimazonen zu übernehmen. All dies hat wohl zur späteren Beliebtheit der Regel beigetragen. Die Regel konnte niemals ohne ergänzende Bestimmung befolgt werden, den sogenannten Consuetudines. Nichts davon sticht jedoch so heraus, dass es Benedikt zu seinem Titel „Vater des Abendlandes“ hätte verhelfen sollen. Diese Entwicklung beginnt erst mit der Abfassung seiner Biographie durch Papst Gregor den Großen, einen großer Verehrer von Benedikt.

Benedikt war bei der einheimischen Bevölkerung sehr beliebt. Er stand den Menschen in Notzeiten bei, auch von Heilungen, ja sogar von Totenerweckungen berichten die Legenden. Benedikt gilt als Erfinder der organisierten klösterlichen Pflege. Heute wird seine Ordensregel auch als Maßstab für intelligentes Wirtschaften propagiert. Benedikt wurde auch immer als Friedensstifter wahrgenommen. Daher führen die heutigen Benediktiner als zweites Motto- und Wappenwort pax, pacis („Friede“).

In Montecassino starb Benedikt schließlich am Gründonnerstag des Jahres 547, dem 21. März, während er am Altar der Klosterkirche betete – der Überlieferung nach stehend, auf seine Mönche gestützt. Seine Mitbrüder berichteten laut Gregor dem Großen, sie sahen, wie Engel ihn auf teppichbelegter, lichterfüllter Straße in den Himmel trugen. Der Name Benedikt stammt aus dem Lateinischen und bedeutet der „Gesegnete“.

Ab dem 11. Jahrhundert wurde der Gedenktag des Heiligen Benedikt an seinem Todestag begangen. Mit der Erhebung des Festes des Heiligen Benedikt in den liturgischen Kalender der Gesamtkirche wurde 1970 der Gedenktag auf den 11. Juli verlegt. Die Benediktinerklöster blieben beim ursprünglichen Termin. Eine der am 21. März geltende Wetterregel lautet:

  • „Willst du Gersten, Erbsen, Zwiebeln dick, so sähe an Sankt Benedikt.“

Reliquien des Heiligen Benedikt befinden sich an mehreren Orten, darunter:

  • Kloster Montecassino, Italien
  • Kloster Metten, Bayern
  • Kloster Disentis, Schweiz
  • Abtei von Fleury, Frankreich
  • St. Ulrich, Wien
  • St. Ulrich, Grödnertal, Südtirol

 

In der orthodoxen, armenischen und katholischen Kirche wird er als Heiliger verehrt, auch in der evangelischen und anglikanischen Kirche gilt er als denkwürdiger Glaubenszeuge. Zudem wird er als Patron der Schulkinder und Lehrer, der Bergleute und Höhlenforscher, der Kupferschmiede und der Sterbenden geehrt, sowie gegen Fieber, Entzündungen, Nieren- und Gallensteine, Vergiftung und Zauberei angerufen. Seit 1964 gilt er als einer der Patrone Europas. Seine Zwillingsschwester war die später ebenfalls als Heilige verehrte Scholastika.

 MontecassinoKloster Montecassino bei Cassino in Umbrien

Im 8. Jahrhundert erfuhr das Andenken Benedikts von Nursia enorme Blüte. Unter Abt Petronax wurde 717 das Kloster Montecassino neu gegründet. Es galt als Ideal mönchischen Lebens, so dass viele einflussreiche Mönche es besuchten oder eine Weile dort lebten.

Die Klosterregel, welche Benedikt zunächst einmal für sein Kloster schrieb, erlangte vor allem im 9. Jahrhundert große Bedeutung. Nachdem Benedikt von Aniane 816 von Ludwig dem Frommen zum Reichsabt im fränkischen Reich erhoben wurde, führte dieser die Benediktsregel in allen Klöstern ein, die ihm unterstellt waren. Erst danach wurde sie im Abendland zur maßgeblichen Mönchsregel. Bis ins Hochmittelalter waren die Benediktiner der bedeutendste Orden. Sie verloren diese Stellung an die Zisterzienser sowie an die im 13. Jahrhundert neu entstandenen Bettelorden.

Die Reformation traf die Benediktiner wie alle großen Orden schwer. Im 17. Jahrhundert kam es, ausgehend von der Reform von Verdun durch Dom Didier de la Cour, zur Erneuerung der Benediktiner in Frankreich. Benediktiner wurden vornehmlich in Schuldienst und Seelsorge eingesetzt. Hohe Bildung galt als unverzichtbar. Die Lehrtätigkeit der Benediktinerklöster hat eine lange Tradition. Bereits zu Lebzeiten des Heiligen Benedikt wurden Kinder ins Kloster aufgenommen, um ihnen Bildung zu vermitteln. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Benediktinerklöster zu Zentren der Kultur und Bildung und haben nicht selten die Kinder aus Adelshäusern ebenso erzogen wie das einfache Volk. Aus dieser  Tradition heraus sind Schulen mit modernen Lehrplänen entstanden. 1617 wurde die bedeutende Salzburger Benediktineruniversität gegründet.

Im 18. Jahrhundert entfaltete sich die barocke Klosterkultur zur vollen Blüte. Gegen Ende des Jahrhunderts nahm die Staats- und Kirchenfeindlichkeit gegenüber dem Orden jedoch wieder zu. Klöster wurden geschlossen oder deren Selbständigkeit stark beschnitten. 1790 wurde in Frankreich das Mönchstum überhaupt verboten, zahlreiche Klöster wurden geschleift. Auch in Spanien, Italien und Brasilien kam es zu staatlichen Eingriffen. Das benediktinische Mutterkloster Montecassino in Italien diente als staatliches Archiv. Deutschland verlor viele Klöster bei der Säkularisierung im Zuge der Annektierung der linksrheinischen Gebiete 1803. Der „Josephinische Klostersturm“ in Österreich war für viele Benediktinerklöster, die in Österreich auf ein sehr hohes Alter zurückblicken konnten, der Niedergang.

Im Zuge der nachfolgenden Restaurierungen kam es zu Neugründungen. Vor allem in Bayern bildeten sich neue Ordensniederlassungen. Im  Bayerischen Konkordat von 1817 wurden Klosterneugründungen vereinbart, für die Ludwig I. ab 1825 vor allem Benediktiner heranzog. 1830 entstand als erste Benediktinerabtei das Kloster Metten neu.

Benedikt hat eine vielbeachtete Regel geschrieben. Die viel spätere Bezeichnung Benediktinerorden resultiert jedoch aus dem Bestreben des Vatikans, die Benediktiner kirchenrechtlich wie einen Orden behandeln zu können. In Antwort darauf gründeten die verschiedenen Benediktinerklöster daher nach und nach nationale oder anderweitig gleichinteressierte Kongregationen, die alle heutzutage in der Benediktiner-Konföderation repräsentiert sind. Benediktinerabteien haben jedoch kein Mutterhaussystem wie andere religiöse Orden, sondern sind völlig autonom. Demzufolge ist die Benediktiner-Konföderation kein Generalat und ihr Abtprimus kein Generalvorsteher. Er ist der oberste Repräsentant der benediktinischen Konföderation und vertritt die Konföderation nach außen, auch beim Heiligen Stuhl, hat aber keine zentrale Leitungsfunktion. Zurzeit gibt es weltweit rund 40.000 Mönche und Nonnen bzw. Schwestern, die zur benediktinischen Ordensfamilie gehören. Heute gibt es in Deutschland 34 Männer- und 27 Frauenklöster, in Österreich 16 Männer- und 4 Frauenklöster und in der Schweiz 9 Männer- und 12 Frauenklöster der Benediktiner. Die Österreichische Benediktinerkongregation unterhält zudem das Kolleg St. Benedikt in Salzburg, das Studienhaus für die deutschsprachigen Benediktinermönche.

Landwirtschaft insgesamt ist nach wie vor wichtiger Bestandteil benediktinischer Klöster. Im 12. Jahrhundert verfasste die Benediktinerin Hildegard von Bingen (1098 – 1179) Bücher über Heilpflanzen. Bei ihr kommt es zu einer Verschmelzung von antikem Wissen, christlichem Glauben und germanischem Weltbild.

Darüber hinaus betreibt der Benediktinerorden vor allem in Afrika und Asien zahlreiche Missionsstationen.

Zahlreiche Abteien führen bedeutende Museen und sind Mäzene für moderne und klassische Kunst. Überhaupt verfügen die Benediktiner über bedeutende Kunstschätze und berühmte Bibliotheken. Bekannt ist jene im Stift Admont in der Steiermark, die als größte Klosterbibliothek der Welt gilt. Die bedeutendste Bücher- und Kunstsammlung des Benediktinerordens befindet sich im Kärntner Stift St. Paul im Lavanttal.

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Artikel-Nr.: EKH-110112