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Der Umgang mit Krankheit nach der Regel Benedikts

Krankheit als Chance und Gotteserfahrung

Die Klosterheilkunde will mehr vermitteln, als die kluge und effiziente Anwendung von Heilkräutern. Sie will eine menschliche und geistliche Kultur des Umgangs mit Gesundheit und Krankheit vermitteln. Dabei bezieht sie sich vor allem auf die Spiritualität der Regel des Hl. Benedikt. Mönche und Klöster waren die ersten, die nicht nur Heilkräutergärten angelegt, sondern Krankenabteilungen eingerichtet und Krankenpflege als einen gewichtigen Teil ihrer Spiritualität erkannt und in die Praxis umgesetzt haben. Wir können nur bedingt die damals gegebenen Anweisungen für heute übernehmen. Es ist notwendig den Geist, der in diesen Regeln ist, für heute zu übersetzen.

Einige Überlegungen zu diesem Thema sollen mit diesem Beitrag angestellt werden verbunden mit der Hoffnung, dass diese Ihnen dadurch die Anliegen der Klosterheilkunde näherbringen können.

Der Umgang mit Krankheit nach der Spiritualität der Regel Benedikts

Nichts wünschen sich Menschen in der Gegenwart mehr, als gesund zu sein. Es steht in der Liste der Lebenswünsche seit vielen Jahren ganz oben. Offensichtlich wird dabei meistens nur über die körperliche Gesundheit gesprochen, doch die vielen psychischen, seelischen und geistigen Erkrankungen werden nur selten wahrgenommen, meistens werden sie sogar verleugnet. Die Schwierigkeit besteht vor allem darin, dass Kranksein als Makel und meistens als Negativum, als Mangel und Einschränkung gesehen wird. Um aber mit Erkrankungen gut umzugehen, ist es notwendig, eine neue Sichtweise der Krankheit zu bekommen. Der Umgang mit Kranken wird ebenso als belastend angesehen. Dies sind schlechte Voraussetzungen zur Heilung. Nach Benedikt von Nursia ist die Krankheit immer eine Chance und der Umgang mit Kranken zuerst einmal eine spirituelle Gotteserfahrung. Nichtgläubige können dabei von Lebenserfahrung sprechen. Die Grundhaltung mit denen wir nach seiner Regel den Kranken und einer Krankheit begegnen können, ist nicht Ablehnung, sondern es sind liebende Sorgfalt, Achtsamkeit und Behutsamkeit. Dazu gehört sicher auch der Eifer und der Einsatz für jemanden, der krank ist.

Wenn wir nicht nur die medizinischen oder organischen Ursachen für Krankheiten erkennen und anerkennen, führt das zu einer besseren Erkenntnis der Krankheit.

Wesentliche Erkrankungsursachen sind Maßlosigkeit oder Vernachlässigung. Sie scheinen zuerst einmal zu einer Stärkung des Körpers zu führen, werden aber dann gleichzeitig zur Schwäche. Das Gleiche gilt für die Unachtsamkeit im Umgang mit dem Leben. Dies führt in der Psyche und mental zu Erkrankungen. Wenig beachtet wird, dass soziale Faktoren Mitauslöser von Erkrankungen sein können. Hier geht es im Wesentlichen um Beziehungslosigkeit zu sich selbst, zu anderen, zu meiner Umwelt und zu Gott. Wenn wir die psychischen Gründe anführen, dann steht die Angst, verallgemeinert gesagt die Depression, im Vordergrund. Angst schafft immer Enge und das bringt Misstrauen. Diese Grundhaltungen wirken sich unmittelbar auf den Körper und auf die Seele aus. Ängste haben oft ihre Ursache in zerbrochenen, verlorenen und belastenden Beziehungen. Ganz wenig beachtet wird, dass die zerbrochene Gottesbeziehung, eine gebrochene Beziehung zur Transzendenz und zum Leben, eine wesentliche Ursache für Erkrankungen ist. Je weniger greifbar die Ursachen sind, desto weniger werden sie beachtet. Das heißt aber, dass sie trotzdem sehr real sind.

Wenn wir uns die Symptome von Erkrankungen und Krankheiten anschauen, zeigt sich zuerst einmal eine Schwäche oder eine Verwirrung des Geistes und der Seele, die sich meistens im Leib manifestiert. Es kommt zu einer Bedrohung des Lebens, zuerst in einem feinstofflichen, dann in einem grobstofflichen, d. h. im körperlichen Bereich. Diese Schwäche führt oft zum Rückzug und zur Isolation. Die Kommunikation wird erschwert und Beziehungslosigkeit breitet sich aus. Es ist verständlich, dass Kranke ein Ruhebedürfnis haben, oder dass sie eher depressiv oder aggressiv sind. In diesen Situationen ist ernsthaft zu berücksichtigen, dass eben Seelen- und Körperfunktionen durcheinander geraten sind. Dies zeigt sich dann offenkundig durch Fieber, durch Erhöhung des Pulses, durch Beeinträchtigung der Verdauung, durch Appetitlosigkeit, durch Schweiß, durch Blässe, durch Röte, durch Zittern, durch Erstarrung. Diese Symptome sind äußerlich zu sehen, vorausgehend sind aber meistens seelische Symptome, wie das Verbergen einer Not, die Leugnung der Realität, die Bagatellisierung einer Verwundung, die Dramatisierung eines Schmerzes, die Rechthaberei und Uneinsichtigkeit, Wut, Weinen, Jammern, Kraftlosigkeit, Energielosigkeit und Schuldzuweisungen.

Sieht man alle Symptome und Ursachen in einem größeren Zusammenhang, dann wird offenkundig, dass Krankheit immer auch als Beziehungslosigkeit zu sehen ist.

Sie ist ein ganzheitliches Geschehen und betrifft nicht nur den einzelnen Menschen, sondern immer auch seine Umgebung. Manche Menschen wollen krank oder nicht gesund werden, weil sie einen so genannten „negativen Krankheitsgewinn“ haben. Das ist oft schwer zu begreifen. Aber manchen geht es besser, wenn sie krank sind. Es ist deshalb gut zu fragen, welchen „Gewinn“ habe ich davon, dass ich jetzt krank bin, oder dass ich gesund werde.

Hilfreich ist es in jedem Fall, den Kranken oder die Krankheitssymptomatik zu isolieren. Dies darf kein Ausschluss sein, sondern ein Raum, in dem Krankheit bewusst gemacht werden und behandelt werden kann. Dieses Herausgehen aus den Normalvollzügen den Lebens ist sowohl Schutz für den Kranken, als auch Schutz für seine Umgebung. In dieser Situation braucht aber jeder Hilfe, damit er nicht in der Isolation der Krankheit „in allzu tiefe Trauer oder Depression versinkt“, wie Benedikt sagt. Dies ist ein Hauptanliegen für den verantwortlichen Umgang mit Kranken. Es widerspricht nicht dem Anliegen eines Kranken, ihn solange als möglich im „häuslichen Umfeld“ zu lassen, sondern ihm den notwendigen Freiraum der Genesung zu geben.

Sicher ist es günstig, die Erkrankungen, Krankenumstände und Schwächen, nicht nur als Belastung zu sehen. Nach der Regel des Hl. Benedikt ist eine Krankheitserfahrung, der Umgang mit Kranken immer eine „Christuserfahrung“, eine Lebens- und Beziehungserfahrung. Eine der grundlegenden Haltungen ist deshalb dem Kranken beizustehen, ihn zu besuchen und so nicht nur theoretisch Möglichkeiten aufzuzeigen, wieder ins Leben einzutreten, sondern dies auch praktisch zu tun. Kommen wir nur mit der bewussten oder unbewussten Forderung an ein Krankenbett oder zu einem Kranken „Werde jetzt doch endlich wieder gesund“, dann übersehen wir, dass er dazu einfach in dieser Situation nicht genügend Kraft hat. Hier ist es notwendig, diesem Kranken und seiner Situation mit Achtsamkeit zu dienen. Das erfordert von dem, der damit konfrontiert ist, sowohl Erkenntnis, Kompetenz und Einfühlungsvermögen, als auch große Geduld. In keinem Fall dürfen Kranke vernachlässigt werden, denn die Vernachlässigung führt meistens dazu, dass Krankheit chronisch wird. Im günstigsten Fall gibt es einen eigenen geschützten Raum und kompetente Menschen, die sich um Erkrankte kümmern. Insofern ist sowohl räumlich als auch personell Sorge zu tragen, dass diese geachtet werden. In Familien, in Schulen, auch in Betrieben, wird dies häufig vernachlässigt. Meistens isolieren wir den Kranken so, dass Krankheit, vor allem seelische Erkrankung, ignoriert und verdrängt wird. Keiner will etwas damit zu tun haben. Schnell ist man bereit, die Kranken wirklich auszuschließen. Nur wenn es um eine ansteckende Krankheit geht, sind solche Reaktionen verantwortlich. In jedem Fall ist aber zu vermeiden, dass der Kranke allein gelassen wird. Hilfreich ist es, aus der benediktinischen Tradition zu lernen, wie man nicht nur mit körperlichen, sondern auch mit sozialen oder psychischen Konflikten und Erkrankungen umgeht, die sich oft darin zeigen, dass der Kranke sich mehr und mehr selbst „ausschließt“.

Auch hier ist es notwendig durch Klugheit und Sensibilität bewusst zu machen, dass es sich hier wirklich um einen geistig-seelischen Prozess handelt. In jeder Weise muss man für diejenigen Sorge tragen, die in solche Situationen gekommen sind. Nicht nur ein „weiser Arzt“ ist dabei gefragt, d. h. ein Mensch der nicht nur die körperlichen und psychischen Symptome sieht, sondern die sozialen Aspekte mit einbezieht, um dem Erkrankten zu helfen. Sehr hilfreich sind Menschen, die eine gute, klare und differenzierte Beziehung zum Kranken haben. Sie können am ehesten helfen nicht nur zu trösten, sondern eine Umkehr im Krankheitsprozess zu erreichen. Benedikt nennt sie „Senpekten“. Dieses Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie „gleichaltrige Spielgefährten“. Mit dem, mit dem ich schon vertrauensvoll in der Sandkiste gespielt habe, kann ich auch über mein Leben und die Krankheitserfahrungen und Ursachen sprechen.

Wahrscheinlich ist das größte Hindernis für das Gesundwerden die Traurigkeit, die Resignation und die Depression.

Hier sind die gegenteiligen Haltungen von Arzt und Pflegern gefordert. Dass Benedikt von seinen Mönchen fordert „Alle sollen für den Kranken beten“ ist nicht nur eine religiöse Anweisung, sondern dient dazu, dass sich alle, die davon betroffen sind, bewusst werden, dass das Gebet eine Form von Beziehung ist, nicht nur zu Gott, sondern auch zum Leben. Das Gebet, oder die Lebensbeziehung, die Fähigkeit den Schmerz über eine Erkrankung ins Wort zu bringen, erfordert viel Gespür und Eifer. Niemand darf sich anmaßen, überheblich oder gar mit Gewalt an einen Kranken heranzugehen. Benedikt nimmt das Beispiel eines guten Hirten, der den, der sich selbst isoliert hat, oder der davon gelaufen ist, sucht, ihm nachgeht und mit der Schwäche so viel Mitleid hat, dass er, wie der gute Hirte, das verlorene Schaf in den Bergen sucht und es auf seinen Schultern wieder zurückträgt.

In diesem Bild wird besonders deutlich, dass vor allem soziale und psychische Erkrankungen nur dadurch geheilt werden, dass derjenige, der heilen will, mit dem Kranken eine Beziehung aufbaut und ihm wieder Beziehungen ermöglicht. Im Zusammenleben von Menschen – in einem Betrieb, oder einer Schule – darf es also nicht so sein, dass wir nur eine Krankschreibung zur Kenntnis nehmen, sondern alle die davon betroffen sind, sich um die Neuintegration und die Rückkehr des Kranken mühen. Neue Beziehungen und Beziehungsfähigkeit sind die besten Voraussetzungen für Heilung und Gesundheit.

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