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Gesundheit aus dem Kloster

Altes Heilwissen für Körper, Geist und Seele

Die Klostermedizin geht von Anfang an weit über die Anwendung von heilenden Kräutern hinaus. Ihr eigentliches Thema sind die vielfältigen Zusammenhänge von Leib und Seele, von denen es abhängt, ob ein Mensch gesund oder krank ist. Der Mensch wird dabei nicht isoliert betrachtet. In gleichem Maße, wie er auf die Beziehung zu sich selbst achten soll, soll er seine Beziehungen zu anderen Menschen betrachten, sein Eingebettetsein in die Schöpfung und seine Beziehung zur transzendenten Wirklichkeit, zu Gott.

In diesem Sinne möchte die Klostermedizin zu einer vernünftigen Lebensgestaltung anregen. Das Herzstück ist immer „Das rechte Maß“. 

Dazu gehört vor allem auch der richtige Lebensrhythmus:

• eine ausgewogene Ernährung,

• ein gesunder Wechsel von Schlafen und Wachen,

• Ruhe und Bewegung,

• Spannung und Entspannung,

• Arbeit und Pause.

Eine solche Lebensweise wirkt vorbeugend, so dass es zu vielen Krankheiten gar nicht erst kommt, und sie stärkt die Selbstheilungskräfte.

Das Grundkonzept der Klosterheilkunde ist eine Antwort auf drängende Fragen der Gegenwart und zugleich eine in langer Erfahrung und Praxis bewährte Antwort. Zwar werden sich die Erfolge nicht von heute auf morgen einstellen, denn die spirituelle Entwicklung eines Menschen erfordert Geduld. Aber in Zeiten, in denen das Gesundheitssystem kaum noch bezahlbar ist, kann sie ein Schlüssel für ein neues Denken in der Medizin werden. Es wäre ein Missverständnis, uns so zu verstehen, als ob wir die Methoden der modernen Medizin austauschen wollten gegen eine Klostermedizin aus dem Mittelalter und deren Heilkräuterlehre. Im Gegenteil: das alte und das neue Wissen gegen Krankheiten und für die Gesundheit sollen sich ergänzen – das wäre der Königsweg. Wichtig ist, das Bewusstsein wiederzugewinnen, dass eine spirituelle Dimension für echte Heilung unerlässlich ist. Es kommt darauf an, die beiden getrennten Welten, die spirituelle und die materielle, einander näher zu bringen.

 

SPIRITUELLE HEILKRÄFTE

Von der Ehrfurcht vor dem Leben

Ehrfurcht vor dem Leben ist das Wissen um die Verantwortung des Menschen gegenüber sich selbst, gegenüber anderen und gegenüber der Schöpfung. Jeder trägt dieses Wissen in seinem Herzen. Ehrfurcht ist die erste Stufe der Demut, sagt der heilige Benedikt. Dazu gehört auch die Ehrfurcht vor eigenen und fremden Schwächen – und auch vor den Sünden der Menschen. Wer andere wegen ihrer Fehler verurteilt, verweigert ihnen und sich selbst die Chance zur Entwicklung. Der sensible, ehrfürchtige Umgang mit den Sünden und Schwächen eines Menschen ist für ihn der Beginn seiner Heilung. In unserer lieblosen Erfolgsgesellschaft wird diese Erkenntnis kaum noch beachtet. Ehrfurcht vor dem anderen, vor der Natur und der Schöpfung, auch Ehrfurcht vor Gott – diese menschliche Grundhaltung muss immer wieder neu erworben werden.

Von der Harmonie von Leib und Seele

Der heilige Benedikt und die alten Mönche haben Leib und Seele nicht getrennt. Sie waren zutiefst davon überzeugt, dass Leib und Seele miteinander verwoben sind. Der ganze Körper ist beseelt. Jeder körperliche Schmerz wirkt sich auch auf den psychischen, geistigen und spirituellen Zustand des Menschen und auf sein gesamtes Empfinden aus.

Das Wissen um die enge Verbindung von Körper, Seele und Geist findet sich in allen Kulturen und Religionen und ist älter als die Erkenntnisse der modernen Medizin, bei der die einzelnen Krankheitssymptome eher getrennt voneinander betrachtet und behandelt werden. Natürlich muss ein Leiden dort kuriert werden wo es auftritt. Wenn sich der Mensch das Bein gebrochen hat, wäre es verkehrt, wenn man statt zu operieren erst einmal seine Gottesbeziehung klären wollte. Aber genauso falsch ist es, wenn man es ausschließlich bei der Behandlung des Symptoms – ob Tumor oder Allergie – belässt und nicht auch versucht, nach Ursachen zu fragen, die auf einer anderen Ebene liegen. Erst die Wiederherstellung einer Leib-Seele-Balance kann – weit über die körperliche Ebene hinaus – eine tiefe Heilung bringen.

Von der gesunden Lebensordnung und den heilenden Rhythmen

Eine durch uralte Erfahrung gestützte Regel lautet: Krankheiten treten dann auf, wenn im Leben des Menschen die innere oder äußere Ordnung gestört ist. Und Heilung besteht darin, diese Ordnung wiederherzustellen. In unserer heutigen Spaßgesellschaft mit einem Verständnis von Freiheit, die kaum noch Grenzen und Rücksichten gegenüber anderen kennt, wollen die meisten keine allgemein gültigen Regeln mehr einhalten. Ordnung empfinden sie als Korsett, das ihr Denken und Handeln unnötig einengt. Sie meinen: „Ich kann tun, was ich will“ – und weisen es von vorn herein als Eingriff in ihre Rechte zurück, wenn sie sich in eine Ordnung einfügen sollen. Doch Ordnung ist etwas anderes. Erst wer sich bewusst in eine Lebensordnung hineinstellt, ist ein wirklich freier Mensch. Sich in eine vernünftige Lebensordnung einzufügen, verringert nicht den Handlungsspielraum, sondern gibt Freiheit, Sicherheit und Vertrauen. Ordnung ist das rechte Maß zwischen zu engen Grenzen einerseits und ungezügelter Freiheit andererseits. Innerlich kann der Mensch Ordnung schaffen, indem er bewusst nach den Werten lebt, die für ihn wichtig sind. Entsprechend gestaltet er seine Beziehungen – zu Menschen, zu Dingen, zur Schöpfung und zu Gott. Der Zusammenhang zwischen Lebensrhythmus, Gesundheit und Krankheit wird heute von kaum jemandem mehr bestritten. Wenn der Rhythmus nachhaltig gestört ist, wird der ganze Mensch krank.

Aber was ist eine Rhythmusstörung im Leben? Das Leben des Menschen wird bekanntlich von verschiedenen Rhythmen bestimmt: vom Rhythmus des Herzens und des Atems, von Schlafen und Wachsein, von Bewegung und Ruhe, von Anspannung und Entspannung, von Arbeit und Erholung, von den Mahlzeiten und auch vom Rhythmus der Schöpfung, den die Menschen besonders in den Jahreszeiten erleben. Wer seinen Rhythmus nicht beachtet, lebt auf die Dauer gefährlich – viele Krankheiten haben ihren Ursprung in der verlorenen Lebensordnung. So ist das ganze Leben sozusagen ein zusammenhängender Rhythmus, der im rechten Maß ausbalanciert sein sollte. Das „rechte Maß“ gilt dabei in vielen Weisheitslehren, auch beim Heiligen Benedikt, als eine Lebensregel, die dem Menschen Gesundheit und Lebenskraft schenkt. Die Selbstheilungskräfte, die sich dadurch entfalten können, sind stärker als jede Medizin. Rhythmus entsteht durch Beziehungen. Sie berühren die Seele – gleich ob es nun Beziehungen zu anderen Menschen sind oder zu Dingen, zu einem Baum oder zum Kieselstein, zu einem Vogel oder zum Mond. Mit jeder Beziehung überschreitet der Mensch seine eigenen Grenzen und kommt mit anderen Seelen in Berührung – das ist der Anfang der Transzendenz, die zum Ursprung allen Lebens führt. So ist diese Erfahrung dann mehr als bloße Selbsterkenntnis.

Vom Einklang mit der Schöpfung und von der Gelassenheit durch Glauben

Die Beziehung des Menschen zur Schöpfung ist in seinem Unterbewusstsein verwurzelt. Dort liegen Archetypen, ursprüngliche Bilder von Lebenseindrücken, die der Mensch durch die Jahrtausende seiner Existenz aufgenommen hat. Es sind Symbole für das Urvertrauen, dass der Mensch in der Schöpfung und in den Elementen immer wieder erlebt: Wasser, Luft, Erde, Feuer, Steine, Licht, Stürme, Finsternis, Sonne, Mond und Sterne. Wenn sich der Mensch in diesen archaischen Rhythmus der Schöpfung hineinbegibt, kann er zu großer inneren Ruhe gelangen – in Demut vor den spirituellen Zusammenhängen im Universum. In den Klöstern wusste man um die spirituelle Heilkraft, die dem Menschen aus seinem Inneren, aus einer Haltung der Demut erwächst. Das Leben der Mönche und Nonnen war geprägt von Ehrfurcht vor der Schöpfung.

Wir erkennen diese Grundhaltung in den modernen Gesellschaften weitgehend nicht mehr. Leider neigen die Menschen dazu, das rechte Maß zu missachten und sich rücksichtslos vermeintliche Vorteile zu holen, auch aus der Natur. Erst in jüngster Zeit bahnt sich unter dem Stichwort der Nachhaltigkeit ein Umdenken an. Untersuchungen ergaben, dass von einem starken Glauben beseelte Menschen seltener erkranken, offenbar deshalb, weil sich ihre innere Ausgeglichenheit und Lebenskraft gesundheitsfördernd auswirkt und viele Krankheiten abhält. Ganz offensichtlich haben gute Gedanken und Worte, wie sie z. B. auch im Gebet gedacht und gesprochen werden, die Kraft, im Körper physikalische Vorgänge zu beeinflussen. In der Beziehung zu Gott erreicht diese innere Kraft ihre höchste Wirkung. Ein Mensch, der diese Beziehung lebt, wird widerstandsfähiger gegen viele Krankheiten, weil er seine Selbstheilungskräfte entfalten kann.

Von der Kraft ethischer Grundsätze und der heilsamen Mitte

Ethische und moralische Grundsätze sind für jeden Menschen wichtig. Diese Grundsätze stärken sein Wohlbefinden und geben ihm Kraft gegen körperliche Krankheiten und Störungen der Seele. Unsere Ellenbogengesellschaft stempelt solche Menschen gerne als Moralapostel ab. Die Zehn Gebote können dafür eine gute Richtschnur sein. In allen Religionen finden sich diese grundsätzlichen Lebensregeln. Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit anderer beginnt. Habsucht, Neid, Eifersucht, Zorn, Hass, Rücksichtslosigkeit, Ablehnung, Stolz und Überdruss sind seelische und geistige Zustände, die auf Dauer krank machen. Deshalb ist es auch für das eigene Leben sinnvoll, mit diesen Empfindungen und negativen Gedanken sorgfältig umzugehen: Ein Leben nach ethischen Grundsätzen ist ein Wert an sich und wirkt als spiritueller Heilfaktor, der dem Menschen physisch und psychisch Kraft gibt. Wir könnten uns viele Medikamente und ärztliche Behandlungen ersparen, wenn es uns gelänge, im Leben den geraden Weg zu gehen.

Egoismus wie Altruismus – in ihren Extremformen zerstören beide Grundhaltungen den Menschen. Das rechte Maß ergibt sich aus dem Gebot „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“. Die Balance zwischen beiden Polen, die überzogene Selbstliebe von Egoismus ebenso vermeidet wie falsch verstandene Nächstenliebe, die zur Selbstaufgabe wird – diese Balance tut dem Menschen gut und macht ihn heil.

Nun hat der Mensch bei diesem Bemühen, zwischen Selbstliebe und Nächstenliebe das richtige Maß zu finden, einen dritten Bezugspunkt, nämlich Gott. Aus dieser Beziehung heraus ist es möglich, sich selbst und andere Menschen im richtigen Maß anzunehmen. Vor allem für den Egoismus ist die Gottesbeziehung ein gutes Korrektiv. Denn in ihrer übersteigerten Selbstliebe haben viele Menschen Angst, dass sie im Leben zu kurz kommen und so machen sie ihr Habenwollen zur Triebfeder ihres Handelns.

Auch der Heilige Benedikt kannte das Problem. Er forderte vor allem, dass der Mensch sein Ego aufgeben solle – zu Gunsten des Gemeinsamen. Wer sein Ego aufgibt und sich verschenkt, der findet sich selbst. Allerdings ist es gerade heute nicht ungefährlich, diesen Weg konsequent zu gehen, weil die meisten Menschen nicht in Solidarität mit anderen leben, sondern zuerst an sich denken. Dass eine Veränderung dieser Grundhaltung möglich ist und allgemein als positiv erfahren wird, zeigt sich immer dann, wenn Menschen in Katastrophen zusammenstehen.

 

ALTE WEISHEITSLEHREN FÜR HEUTE

Vom rechten Maß in allem: Benedikt von Nursia

Der Heilige Benedikt sagt in seiner Regel, dass das gute Maß die „Mutter aller Tugenden“ sei. Wer es für sich gefunden hat, wird trotz aller Widrigkeiten und Schicksalsschläge ein harmonisches Leben führen können. Was für den einzelnen Menschen das richtige Maß ist, ist individuell verschieden. Was für den einen gut ist, schadet vielleicht dem anderen. Die Menschen verändern sich außerdem und stehen immer wieder auf neuen Entwicklungsstufen.

Um das rechte Maß finden zu können, muss sich der Mensch in seiner jeweiligen Situation der Anforderung seines Lebens bewusst sein und wissen, dass er darüber vor Gott oder wenigstens vor sich selbst Rechenschaft ablegen muss: Wer das rechte Maß finden und anwenden will, muss das göttliche Gesetz und die Regeln des Lebens kennen, sagt der Heilige Benedikt. Das gute Maß führt den Menschen zu Tugenden, die sein Leben bestimmen: Diese Tugenden verbinden miteinander Reden und Schweigen, Offenheit für Einsichten und Festigkeit, Demut und Selbstvertrauen, schnelles Entscheiden und Besonnenheit, vorurteilsfreies Annehmen und kluges Unterscheiden, vorsichtiges Handeln und mutige Zuversicht, innere und äußere Anspruchslosigkeit, „Flagge zeigen“ und Zurückhaltung, Gleichmut und Liebe. Um das gute Maß zu finden, soll der Mensch vor allem auf sein Herz hören; denn Güte ist wichtiger als das Gesetz. Intuitiv weiß man oftmals, dass man etwas falsch gemacht hat: Unmäßigkeit beim Essen und Trinken, beleidigende Worte im Zorn, die Gier nach Geld und Sex, feiges Hinnehmen von Unrecht, Lügen oder Betrügereien. Wenn dem Menschen allerdings nicht einmal mehr bewusst wird, dass er vom rechten Maß abgekommen ist, dann ist ihm kaum noch zu helfen. Er ist dann schon so abgestumpft, dass er die Fehler gar nicht mehr wahrnimmt – und somit keine Notwendigkeit erkennt, in seinem Leben etwas zu verändern.

Die Rückkehr zur Ausgewogenheit erfordert dann, dass dieser Mensch sich erst einmal seines Irrwegs bewusst wird. Er muss sich dann selber einige entscheidende Fragen beantworten: In welcher Weise und wann habe ich das gute Maß verlassen, wo habe ich was übertrieben, wo habe ich mich mit meinem Verhalten gegen das Leben – mein eigenes und das der anderen – entschieden? Daraus müssen dann Konsequenzen gezogen werden.

An einer Stelle legt Benedikt in seiner Regel dem Abt ans Herz: „Er hasse den Fehler und liebe die Brüder“. Das ist eine wunderbare Regelung auch für die Gegenwart: Wenn jemand etwas falsch macht, dann soll man zwar den Fehler als solchen kennzeichnen, aber den Menschen, der ihn gemacht hat, lieben – er verdient diese Zuwendung trotz seiner Unzulänglichkeit. Vielmehr empfiehlt Benedikt dem Abt, der den Fehler kritisiert: „Er suche danach, mehr geliebt als gefürchtet zu werden“. Dazu müsste die heutige Managementregel „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ geändert werden in „Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser“. Ein Leben im rechten Maß gibt dem Menschen Frieden und innere Ruhe. Der schönste Zustand, den ein Mensch erreichen kann, wenn er das richtige Maß für sein Leben gefunden hat, wird in allen Weisheitslehren mit dem gleichen Begriff beschrieben: „heitere Gelassenheit“.

Vom Kampf mit den Dämonen – Süchte und Laster

In jedem Menschen wirken Kräfte, durch die er sein Leben entfalten oder zerstören kann. Dabei wurden sieben Hauptsüchte unterschieden: Stolz, Neid, Zorn, Geiz, Unkeuschheit, Unmäßigkeit und Trägheit. Diesen Lastern wurden sieben Tugenden entgegen gesetzt, mit denen die Anfechtungen bekämpft werden konnten: Glaube, Hoffnung, Liebe, Tapferkeit, rechtes Maß, Gerechtigkeit und Klugheit. Diese uralten Erkenntnisse sind auch heute noch aktuell, wenn Störungen Leib und Seele verwirren. Voraussetzung für das Erkennen der Süchte und Tugenden ist, dass man sich selbst gegenüber wieder sensibel wird und bewusst wahrnimmt, was einem gut tut und was nicht. Es ist besonders wichtig, dass der Mensch seine eigenen Schwachstellen erkennt, mit ihnen verantwortungsbewusst umgeht und nicht ständig die Schuld bei anderen sucht.

Die eigene Schwäche kann auch aus einer Verletzung herrühren, die einem früher zugefügt worden ist; dann ist es wichtig, diese zu erkennen. Eine Wunde bei sich selbst kann man manchmal alleine behandeln, manchmal hilft auch das Gespräch mit anderen – und auf der spirituellen Ebene kann man seine „offene Stelle“ Gott zeigen und übergeben. Wer das tut, wird zu einer inneren Gewissheit kommen, wie er mit seiner Wunde umgehen muss, um wieder heil zu werden.

Von der Heilkraft der Demut

Die Demut ist ein zentrales Element in der Regel des Heiligen Benedikt für ein spirituelles Leben. „Jeder der sich erhöht, wird erniedrigt, und wer sich erniedrigt, der wird erhöht“ – mit diesem Zitat aus der Bibel warnt Benedikt vor Stolz und Selbsterhöhung, die das Leben zerstören. Als erste Stufe der Demut bezeichnet Benedikt die Ehrfurcht vor Gott und damit vor dem Leben. Ehrfurcht vor Gott ist heute selten geworden, weil Gott als abstrakte, ferne Größe gesehen wird. Es wird übersehen, dass eine Entscheidung gegen Gott immer auch eine Entscheidung gegen das eigene Leben ist, denn ohne das Bewusstsein, dass es eine höhere Instanz gibt, die wir in der christlichen Religion Gott nennen, bleibt der Mensch in seiner Ich-Bezogenheit gefangen.

Die weitere Stufe der Demut betrifft das Ego des Menschen. Es soll die Einsicht geschaffen werden, dass es falsch ist, den eigenen, egoistischen Willen durchzusetzen, und dass wirkliches Leben nur möglich ist in der Beziehung zu anderen Menschen, zu Dingen, zu Lebewesen in der Natur, zur Schöpfung und zu Gott. Deshalb führt der Ego-Trip in die Sackgasse und macht krank. Weiter geht es um Versöhnung und darum, sich manchmal auch mit dem Geringeren zufrieden zu geben. Dieser Haltung liegt die Einsicht zugrunde, dass man seine eigenen Grenzen erkennt und auch von anderen, die ebenfalls unvollkommen sind, nichts Maßloses fordert. Es geht auch darum, sich nicht nur in Worten und Handlungen zurückzunehmen, sondern wirklich aus innerster Überzeugung. Dieses Eingeständnis vor sich selbst löst den inneren Druck, ständig vollkommen sein zu müssen.

In einer weiteren Demutsstufe empfiehlt Benedikt „hält der Mönch seine Zunge vom Reden zurück, bleibt still und redet nicht, bis er gefragt wird“. Was heißt das? Oft ist es gesünder, heilsamer und wohltuender, nicht einfach drauf los zu plappern, denn sonst wird das Gespräch zum Geschwätz. Um Schweigen, um aufmerksames Zuhören und ums Reden geht es auch bei weiteren zwei Demutsstufen. Überhebliches Gelächter, Witze auf Kosten anderer, Unwahrhaftigkeit beim Reden, beleidigende Frozzeleien, all das untersagt Benedikt seinen Mönchen – ein Rat, der auch heute manchmal Streit und viele Verletzungen verhindern kann.

Die zwölfte und letzte Stufe der Demut will, dass der Mensch in seinem inneren und äußeren Verhalten authentisch ist. Herz und Mund sollen miteinander in Einklang stehen. Auf der ersten Stufe schaute der demütige Mensch zum Himmel, jetzt blickt er auf die Erde. Er ist sich seines Lebens bewusst, seiner Stärken und Schwächen, seiner eigenen Wahrhaftigkeit. Wer diesen Zustand erreicht, ruht in sich. Dieser Mensch bläht sich nicht auf, sondern steht im Leben, in Demut gegenüber anderen und in Demut vor Gott. Er hat den Weg zu seinem wahren Selbst gefunden. Ein solcher Zustand, sagt Benedikt, macht dich in deiner Seele und an deinem Leib gesund.

Von der Heilkraft der Worte und Gedanken

Viele spüren instinktiv, welchen Einfluss Worte und Gedanken auf andere Menschen haben – aber auch auf den, der sie spricht oder denkt. Sogar schreiende Säuglinge, die scheinbar noch nichts verstehen, beruhigen sich, wenn man sich ihnen mit guten Worten zuwendet. Was ein Mensch sagt oder denkt, hat gewaltige Auswirkungen. In diesem Zusammenhang hat auch das Schweigen eine besondere Bedeutung – nicht als Verstummen, sondern als eine Qualität des Hörens und Zuhörens, wenn der andere spricht. Im Schweigen und im Aussprechen guter Gedanken gibt der Mensch sich selber und anderen eine besondere Lebensqualität. Nichts ist schlimmer im Gespräch, als wenn ein Argument das andere jagt, wenn die Gedanken nicht mehr ausreifen können, wenn man seine Gedanken nicht mehr vollenden darf, weil man ständig unterbrochen wird. Auch Spott und Witze wirken zerstörerisch. Wer Ehrfurcht vor sich selbst, vor den Menschen, vor der Schöpfung und vor Gott hat, wird anders reden als jemand, der diese Grundhaltung nicht besitzt. Der sorgsame Umgang mit Worten und Gedanken könnte viel Unheil verhindern. Sehr viele Menschen leben beständig mit „Notlügen“ und scheinbar unbedeutenden Schwindeleien; sie gehören fast schon zum Alltag. Aber diese – wenn auch scheinbar geringfügige – dauernde Unwahrheit leugnet die eigene Persönlichkeit und zeugt von Respektlosigkeit gegenüber anderen.

Von der Chance, die in Krisen liegt

Menschen neigen normalerweise dazu, Konflikten und Krisen aus dem Weg zu gehen. Selten erkennen und nutzen sie sie als Weg. Statt solche Ereignisse als etwas ganz normales im Leben zu akzeptieren, halten sie Konflikte für Unglücke. Wer nicht den Weg durch die Krise geht, kann daraus nichts lernen. Denn in Konflikten kann man nur dann gute Erfahrungen machen, wenn man sich ihnen stellt. Um einen Konflikt lösen zu können, muss man ihn zunächst als solchen erkennen und analysieren. Der Heilige Benedikt empfiehlt sogar, dem betroffenen Mönch zunächst einmal Schutz – Raum und Zeit – zu geben, bevor irgendetwas unternommen wird. Der Vorgang wurde nicht gleich an die „große Glocke“ gehängt. Ein Konflikt wird oft nur gelöst, wenn alle Betroffenen ihre Schuld einsehen und bereit sind zur Versöhnung. Jeder Mensch kann schuldig werden – entscheidend ist, wie er mit seiner Schuld umgeht. Jemanden, der verletzt wurde, um Verzeihung zu bitten, erfordert Mut – erst recht in unserer Ellenbogengesellschaft, wo das Bitten um Verzeihung als Schwäche gilt. Dass heute viele Menschen, die Schuld auf sich geladen haben, so schwer am Leben tragen und oft im Abseits bleiben, hängt auch damit zusammen, dass sie ihre Schuld nicht eingestehen können und für ihr Handeln die Verantwortung nichtübernehmen wollen.

Von gelingender Gemeinschaft

Um heil und gesund zu sein, braucht jeder Mensch Beziehungen und die Erfahrung einer Gemeinschaft. Er erlebt Beziehung schon im Mutterleib, dann in der Familie, in Freundschaften und in der alltäglichen Begegnung mit Menschen. Ein Mensch, der keine Geborgenheit erlebt, der beständig mit Verlustängsten konfrontiert wird, wird krank. Gemeinschaft zeichnet sich dadurch aus, dass Menschen fähig werden, miteinander und aufeinander zu hören. Nichts beeindruckt uns mehr als Menschen, die zweckfrei und vorbehaltlos aufeinander zugehen und liebevoll miteinander umgehen. Das erfordert freilich Rücksichtnahme – auf sich selber und auf andere, auch im Teilen des Alltags. Entscheidend wichtig für das Gelingen einer Gemeinschaft ist die Form der Konfliktlösung. Das bedeutet: Eine Gemeinschaft muss immer damit rechnen, dass in ihr Konflikte auftauchen. Nicht der entstandene Konflikt ist das Problem. Es kommt darauf an, wie er gelöst wird. Die Schwierigkeit, eine Balance zwischen Ich, Du und Wir zu halten, ist eine der großen Herausforderungen jeder Gemeinschaft. Es geht nicht darum, die Individualität des Einzelnen zu zerstören, sondern das Ego so weit zu reduzieren, dass man im Leben mit den anderen wahrhaft Mensch werden kann. Dann wird auch Gemeinschaft zu einem Medium der Gesundheit für den Einzelnen und wirkt heilend in die Gesellschaft hinein.

Anmerkungen des Verfassers:

Die hier vorliegenden Auszüge geben nur einen kleineren Teil der Originaltexte des Buches wider. Somit musste im Rahmen des hier gegebenen Platzangebotes eine Auswahl getroffen werden. Die vorstehenden Auszüge erschienen mir persönlich besonders wertvoll, ohne damit die weiteren Texte des Buches inhaltlich schmälern zu wollen. Die Autoren befassen sich weiter mit „Gesundheit aus den Klostergärten“, „Klösterliche Urheilmittel“, „Essen und Trinken“, „Große spirituelle Erfahrungen“, „Heilung durch Musik und Klänge“, „Heilkraft der Bilder“, „Von der seelischen Kraft der Bewegung“ und „Von der Meditation als Weg zu sich selbst“. Das Buch befindet sich in einer Überarbeitung und kann aktuell über Buchhandlungen nicht mehr bezogen werden. Sollten Sie Interesse an den Gesamttexten haben, so wenden Sie sic bitte an die Europäische Klosterheilkunde GmbH (Kontakt siehe Impressum).

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