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Weniger ist mehr!

„Eure Lebensmittel sollen eure Heilmittel sein.“

Eine der wichtigsten Säulen der Klosterheilkunde ist das gute Essen und Trinken, denn die alten Heiler wussten schon: „Eure Lebensmittel sollen eure Heilmittel sein.“

Zum guten Essen gehört aber auch das Fasten. Nach der Regel Benedikts ist Fasten keine Hungerkur, sondern eine Vorbereitung auf die Freude des Osterfestes. Um wirklich bewusst und gesund essen, trinken und fasten zu können, braucht es immer das rechte Maß. Dies ist nicht ein für alle Mal gefunden, sondern muss wieder neu angestrebt werden. Um diese Balance zu finden, brauchen wir einmal mehr und einmal weniger. Meistens ist weniger mehr.

Weniger ist mehr

Das „Weniger“ wünsche ich mir häufiger als es mir bewusst ist. Ich wünsche mir weniger Stress, weniger Schmerzen, weniger Unsicherheit, weniger Angst, weniger Lärm, weniger fettes Weihnachtsessen, weniger Konflikte, weniger Kopfschmerzen, weniger Druck von außen und innen, weniger Ratlosigkeit usw. Oft wünsche ich mir mehr Ruhe, Gelassenheit, inneren und äußeren Frieden, mehr Möglichkeiten etwas Gutes zu tun. Es geht beim „Weniger ist mehr“ nicht nur um materielle oder um geistige Bereiche. Beide hängen ja sehr eng zusammen. Wahrscheinlich ist die größte Kunst, die Balance, die Mitte, das gute Maß, zwischen mehr und weniger zu finden.

Wenn Mönche fasten, das heißt reduzieren, um sich in Freude auf das Osterfest vorzubereiten (vgl. RB 49,5–7), dann ist das kein Hungern, sondern ein Weg zur Freiheit und zum Frieden. Das wissen die meisten Mönche (aber auch Menschen), aber die wenigsten glauben daran, dass es möglich ist, diese Haltung im Alltag umzusetzen. Im gesellschaftlichen Bereich der Wirtschaft wird uns immer klarer, dass wir nicht nur Gewinnmaximierung, Vergrößerung und Expansion brauchen, sondern dass Reduktion auch ein Weg ist, um Gewinn zu machen. Dabei geht es nicht darum, Arbeitsplätze abzubauen oder wegzurationalisieren, sondern mit Klugheit das Wachstum zu bedenken, das nicht in einer progressiven Linie erfolgt, sondern immer die Reduktion, die Verkleinerung, das Zurücknehmen mit einbezieht.

Vielleicht sollte man es einfach auf den Versuch ankommen lassen und ausprobieren. Weniger heißt ja nicht „nichts“, sondern etwas weniger, mit einem guten Maß und in innerer Freiheit etwas zu lassen, ohne dass wir dabei einen Verlust erleiden müssen. Wenn jemand Übergewicht hat und von Atemnot und Gelenksbeschwerden geplagt ist, dann ist es vernünftig, über längere Zeit hindurch etwas weniger zu essen. Wenn jemand untergewichtig ist, dann ist es vernünftig etwas weniger zu fasten. Hilfreich ist es auch die Ängste anzuschauen, die das Weniger in mir auslösen und diese zu bearbeiten.

Ein alter Klosterspruch lautet: „Wenn Mönche fasten, dann werden sie lästig.“

Dieses Sprichwort gilt nicht nur für Mönche, sondern für jeden Menschen, für jeden Betrieb und für jedes Unternehmen. Immer dort, wo Dinge reduziert werden, geht es darum, große Herausforderungen zu bestehen. Bei der Reduktionen werden „Be-Lastungen“ sichtbar und der alte Mönchsanspruch, beim Fasten unsere „Laster zu mäßigen“ (RB 49,4), ist ein schwieriger Weg. Wo reduziert wird, werden Schwachstellen sichtbar. Es kommt zu herausfordernden Entwicklungsprozessen. Gutes Management sowohl im eigenen Leben als auch in einem Unternehmen zeigt sich darin, dass Reduktionen nicht zur Frustration und zum Zusammenbruch führen, sondern dass sie, wenn sie klug eingesetzt und verstanden werden, neue Wachstumschancen bringen.

Mehr oder Weniger

„Weniger ist mehr“ bedeutet ja nicht ein absolutes Maß, sondern die Annäherung an menschliche, geistliche und soziale Wirklichkeit. Das Leben wird immer ein Balanceakt sein. Das meint wahrscheinlich Benedikt in seiner Regel mit „discretio“ – mit dem guten Maß, der Mutter aller Tugenden. Die Suche nach dem richtigen Maß kann dazu führen, dass ich immer wieder in Unsicherheit, Unentschiedenheit und Unklarheit bin und nicht mehr zur Ruhe komme.

Das ist keine banale Regel oder ein Rezept, sondern ist eine Erfahrung, die durch Offenheit und Lernbereitschaft wächst. Wer es einmal ausprobiert hat, der weiß, dass es funktioniert. Weniger essen gibt mehr Wohlbefinden. Weniger Alkohol trinken gibt einen freieren Kopf. Weniger Computerarbeit gibt einen besseren Durchblick. Weniger Mails geben mehr Freiraum. Weniger Stress bringt mehr Frieden usw. Manchmal sagt uns unser Gefühl ziemlich genau, ob es ein bisschen weniger oder ein bisschen mehr von etwas braucht.

Manchmal ist das Mehr oder Weniger aber auch gar nicht am Platz, sondern es ist eine Entscheidung zu treffen, die ein Entweder-Oder erfordert. Benedikt spricht von „augeamus“: Wir wollen uns bemühen, etwas zu mehren, etwas hinzuzufügen (RB 49.5). Zum Hinzufügen gehört jedoch auch das Wegnehmen. Man fügt dem Leben manchmal etwas Gutes hinzu, wenn man ihm etwas wegnimmt. Für denjenigen, der immer mehr isst als notwendig, ist es gut, etwas weniger zu essen. Für den, der sich selbst nichts gönnt, ist es ganz sicher gut, einmal etwas mehr zu essen. Oft haben wir das Gefühl zu verlieren, vor allem in Bezug auf das Weniger. Wir erkennen nicht, dass der Verzicht oder auch der Verlust eine Möglichkeit ist, einen Freiraum zu gewinnen. Das Leben wird eher wachsen, wenn ein solcher Raum, also etwas weniger vorhanden ist, weil Entwicklung und Wachstum Platz brauchen, Leere, Ausdehnungsmöglichkeit.

Das Finden des Maßes ist wie der dauernde Pendelschlag einer Uhr. Die ideale Mitte werden wir nie ganz erreichen, vielleicht nur in einem Augenblick. In diesem Spannungsfeld bewegt sich das Leben. Das gilt auch in gesellschaftlicher und politischer Hinsicht. Wir haben in unserer westlichen Gesellschaft sicher das Mehr an materiellen Interessen zu stark gelebt und das Weniger an spiritueller Entwicklung nicht mehr gesehen. Dieses materielle Mehr ist zur großen Falle geworden. Wir gaukeln uns vor, dass das Immer-mehr das absolute Ideal ist.

Doch das Weniger weckt eine große Sehnsucht. Es ist wie in einem Garten: Wenn alles überwuchert ist, kann nichts mehr wachsen. Zum Wachstum braucht es die Leere. Wo das Weniger, der Freiraum, die Leere da sind, werden sie erfüllt durch die Sehnsucht, durch die Freude und durch den Heiligen Geist, weil ich dadurch die Dinge, die mich belasten, bereinigen kann.

Dieses Leerwerden entwickelt sich durch bewusster leben und bewusster handeln – und eben auch durch das Weniger. Zum Denken und zum Fühlen braucht es Freiraum. Meditation beispielsweise ist ein solcher. Hier bin ich einfach nur da. Jede Meditationszeit wie auch das Fasten sind kostbar, weil sie Freiraum geben, nicht nur mir, sondern auch anderen.

Die besten Erfindungen der Menschen sind aus der Not entstanden. Not ist immer mit Leere und Mangel verbunden. Wo man satt ist, wo alles perfekt und ideal ist, wird keine geistliche und innere Bewegung möglich sein. Das Leben ist immer ein Fluss und in Bewegung. Es ist daher lebensnotwendig, immer wieder zu überlegen: Wo ist mehr, wo ist weniger zu tun? Wann muss ich klare Entscheidungen treffen? Und es ist gut, dabei die jeweils andere Seite mit zu bedenken. Auf diese Weise findet man in eine Balance, die nicht Stillstand, sondern tiefste Bewegung ist.

Die Klosterheilkunde versteht sich als eine Lebenskunst, die immer um die Balance, um das rechte Maß bemüht ist, beim Essen und Trinken und auch beim Fasten.

Wir wünschen Ihnen viel Freude bei der Suche des rechten Maßes.

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