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Ein Klosteraufenthalt

Zeit für Stille und Kraft

Im deutschsprachigen Raum erleben die Klöster eine neue Form der Aufmerksamkeit, die in bemerkenswertem Kontrast steht zur allgemein nicht selten anzutreffenden Infragestellung ihrer religiösen Grundlagen. Ruhe, Abkehr vom alltäglichen Leben, streng geregelte Abläufe und Spiritualität sind Werte, von denen man sich Erkenntnis und Heilung im weiteren Sinne verspricht. 

Die Besucher erhalten einfache Unterkünfte und Verpflegung und, wenn sie mögen, therapeutische Betreuung und können sich den streng geregelten Abläufen im Kloster anschließen. Die Dauer eines Aufenthaltes ist unterschiedlich. Nicht selten stellen sich bereits nach relativ kurzer Zeit Ausgeglichenheit und innere Ruhe ein. 

„Relaxen im Kloster“ ist nicht die richtige Einstellung 

Wer sich für einen Aufenthalt im Kloster interessiert, sollte sich darüber im Klaren sein, dass ein Kloster weder ein Hotel noch eine Klinik ist. „Ein paar Tage im Kloster relaxen“, wie einige es ansprechen, ist weder die richtige Einstellung noch der angemessene sprachliche Ausdruck. Begriffe wie „Urlaub“, „touristische Spiritualität“ und „Reiseveranstalter“ sind in diesem Zusammenhang Unwörter. Dabei geht es nicht um das „Erhaschen“ eines gefühlsmäßigen oder gesundheitlichen Nutzens, so wie es das Wort „relaxen“ vielleicht andeutet. Im Kloster geht nichts wirklich schnell, jedenfalls nicht in unserem Sinne. Wichtig erscheint eine richtige Einstellung, zu der auch Demut und der Wunsch nach wirklicher innerer Reinigung gehören. Dies gebietet auch schon der Respekt vor dem Kloster und seinen Menschen. 

Auf der Suche nach Ruhe und Besinnung und einem Kontrastprogramm zum alltäglichen Jagen nach dem, was vielleicht, vielleicht auch nicht, Zufriedenheit, Bestätigung und „Glück“ zu bringen verspricht, begab ich mich im Frühsommer für eine Woche in ein Benediktinerkloster. 

Die Reduzierung der Geschwindigkeit wirkte zunächst befremdend, dann eher reinigend

Beim Eintreffen wurden mir, einem benediktinischen Begrüßungsritual entsprechend, die Hände gewaschen. Danach begab ich mich in mein Zimmer im Gästehaus. Handy, Laptop, Kalender, Tageszeitungen, Radio und diverse Arbeitsunterlagen, die in meiner „normalen“ Welt zur Grundausstattung gehören, waren in dieser einen Woche konsequent aus meiner Nähe verbannt. Arbeit hatte ich nicht, Unterhaltung im uns bekannten Sinne hatte ich nicht, Besuche auch nicht und das Auto wurde nicht angerührt. Die Woche war im Wesentlichen gekennzeichnet durch Schweigen, Hören, Lesen, Nachdenken, Beten, keine Probleme lösen, keinen Ärger haben und das „Neue“ spüren und empfinden. Unterbrochen wurde diese „Zeit mit mir“ nur durch die vier Gebets- und die drei Mahlzeiten.

Ich nahm ausnahmslos an den vier Gebets- bzw. Schweigezeiten des Tages teil. Um 6.30 Uhr Laudes, das Morgengebet, um 11.30 Uhr die 30-minütige, fast bewegungslose Schweigemeditation, um 17.30 Uhr Eucharistiefeier und um 21.30 Uhr Komplet, das Nachtgebet der Mönche. Überwiegend werden Psalmen gebetet und gesungen – keine leichte Kost. Zu den drei täglichen Mahlzeiten war ich ausnahmsweise eingeladen, diese im Refektorium gemeinsam mit den Mönchen einzunehmen; schweigend, so wie es der gut 1.500-jährigen benediktinischen Tradition entspricht.

Welch ein Kontrastprogramm gegenüber dem „normalen Leben“ und das fünf lange Tage. Die ersten beiden Tage konnten gut mit Lesen ausgefüllt werden, danach spürte ich die völlige Andersartigkeit gegenüber dem Leben da draußen. Der plötzliche und massive Reizentzug und die Reduzierung der Geschwindigkeit der üblichen Lebensabläufe verbunden mit den täglichen vier Gebetsrunden, wirkten zunächst fremd und seltsam, später in gewisser Weise vielleicht reinigend.

Jeder Tag verlief ziemlich genau wie der andere, vermutlich eine Grundbedingung für Entschleunigung und Besinnung. Selbst ein Spaziergang am Tag sollte alle fünf Tage hinsichtlich Strecke und reduzierter Geschwindigkeit gleich sein. Es ist gar nicht so leicht, eine Stunde lang mit deutlich reduzierter Geschwindigkeit gegenüber seiner normalen Geschwindigkeit zu gehen. Die Konzentration auf das Gehen und die Umgebung nimmt dabei zu, das ist sicher auch der Sinn der Übung.

Meiner Meinung nach gibt es kein besseres Entschleunigungsprogramm

In den letzten zwei Tagen traten höchstpersönliche innere Empfindungen auf, die ich so noch nicht erlebt hatte und die aus heutiger Sicht wohl bleiben werden. Nach einer Woche verließ ich das Kloster und fühlte mich völlig entschleunigt. Der fast permanente Regen dieser Woche hatte vielleicht auch einen Beitrag geleistet. Ich ging langsamer, fuhr mit dem Auto langsamer, zu Hause war mir zunächst alles zu laut und noch zwei Tage später hörte ich die schweren Psalmengesänge der Gebetszeiten, einem Ohrwurm gleich, im Kopf. 

Weitere zwei Tage später hatte mich meine reale Welt wieder, mit Handy, Laptop, Zeitungen, Radio, Gesprächen, Problemen und Arbeitsunterlagen. Geblieben ist dennoch einiges, in einer Hinsicht sogar viel. Und sehr sicher bin ich, dass es für mich kein besseres Besinnungs- und Entschleunigungsprogramm als einen Klosteraufenthalt genau in dieser Form geben kann. Der weise Benedikt von Nursia mit seiner auch nach 1.500 Jahren noch so unglaublich modernen und lebensklugen Regel, nach deren Prinzipien die Benediktiner dem Grunde nach noch heute leben, beten und arbeiten, hat einen wesentlichen Anteil daran.

Sicher werde ich wiederkommen.

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