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"Stille Nacht" und die Abtei Michaelbeuern

Von Martin Sturmer, 27. November 2018

Vor 200 Jahren - am 24. Dezember 1818 - erklang in der Kirche St. Nikolaus in Oberndorf das heute weltbekannte Weihnachtslied “Stille Nacht” das erste Mal. Wie ein neuer Beitrag zeigt, wäre es ohne den damaligen Abt der Benediktinerabtei Michaelbeuern wohl dazu nie gekommen.

Es ist hinlänglich bekannt, dass der Text von “Stille Nacht” aus der Feder des Hilfspfarrers Joseph Mohr stammt. Mohr hat die Strophen bereits im Jahr 1816 an seinem damaligen Dienstort Mariapfarr im Lungau verfasst. In den Jahren 1817 bis 1819 war Mohr in Oberndorf tätig.

Die Melodie wurde von Franz Xaver Gruber verfasst, der seit dem Jahr 1807 als Mesner, Organist und Lehrer in Arnsdorf tätig war. Ab dem Jahr 1816 übte Gruber den Cantoren- und Organistendienst in Oberndorf aus, um sein schmales Einkommen aufzubessern. Das war die Grundlage dafür, dass Mohr und Gruber sich überhaupt begegnen und anfreunden konnten.

Wie ein interessanter Beitrag von Josef Haunschmidt im Michaelibrief 2018 - dem Jahresrückblick der Benediktinerabtei Michaelbeuern - zeigt, wäre Franz Xaver Gruber ohne Intervention von Abt Nikolas III. Achatz nicht nach Arnsdorf bzw. nach Oberndorf gekommen.

Denn Gruber, der aus dem oberösterreichischen Hochburg stammte und dort als Schulgehilfe arbeitete, stand 1807 vor der Einberufung zum kaiserlichen Heer. Die Napoleonischen Kriege waren in vollem Gang. Der damals 20-jährige Webersohn Gruber sollte gemäß dem “Conscriptions- und Recrutierungs-Patent” vom 25. Oktober 1804 in den Militärdienst treten.

Das kaiserliche Patent sah allerdings Ausnahmebestimmungen für Schlüsselpersonal vor, wie etwa angestellte Schullehrer. Um den Militärdienst zu vermeiden, musste sich Gruber rasch auf die Suche nach einer Ortschaft machen, wo ein Lehrer benötigt wurde.

In Arnsdorf war die Position des Organisten seit September 1806 vakant. Zum damaligen Berufsbild des Organisten zählte, dass er auch als Lehrer und Mesner arbeiten konnte. Die stark besuchte Wallfahrtskirche Maria im Mösl in Arnsdorf gehört bereits damals zur Pfarre Lamprechtshausen, die von 1241 bis 2008 dem Kloster Michaelbeuern inkorporiert war.

Franz Xaver Gruber sprach bei Abt Nikolaus III. in Michaelbeuern vor. Er war für die Stelle qualifiziert, hatte er doch das Orgelspielen neben seinem ursprünglichen Weberberuf erlernt und 1806 in Ried im Innkreis die Prüfung zum Normalschullehrer abgelegt.

abtei-michaelbeuern-1000Die Benediktinerabtei Michaelbeuern im Salzburger Flachgau

Der Abt war grundsätzlich bereit, Gruber in den Dienst des Klosters zu stellen. Allerdings dürfte er die Anstellung mit einer Auflage verknüft haben: Gruber sollte die im Mesnerhaus von Arnsdorf ansässige zweifache Witwe Elisabeth Fischinger heiraten.

Fischinger war die Witwe der früheren Arnsdorfer Organisten Anton Dürnberger (+ 1801) und Andreas Englsperger (+1806). Sie  war 13 Jahre älter als Gruber und hatte einen Sohn aus erster Ehe und eine Tochter aus zweiter Ehe. Der vermutlich wenig vermögende Gruber und Fischinger einigten sich auf eine baldige Eheschließung.

Als das für Hochburg zuständige Landgericht Wildshut die Einberufung von Gruber zum Militärdienst anordnete, waren die Dinge bereits geregelt. Abt Nikolaus entsandte per Eilboten einen Brief, in dem er gegen die Einberufung seines Klosterbediensteten protestierte.

Tatsächlich entschied das Landgericht Wildshut im Mai 1807, dass Gruber aufgrund der von Michaelbeuern beigestellten Schriftsstücke und Dokumente gemäß der Bestimmungen des kaiserlichen Patents von 1804 vom Militärdienst freigestellt wurde.

Im Jahr 1816 erlaubte Abt Nikolaus III. Franz Xaver Gruber die Ausübung des Cantoren- und Organistendienstes in Oberndorf. Dort freundete er sich mit dem Hilfspfarrer Joseph Mohr an,  zu dessen Zeilen er im Mesnerhaus von Arnsdorf zu Weihnachten 1818 die weltbekannte Melodie des Stille-Nacht-Liedes komponierte. Ohne das Zutun von Abt Nikolaus III. hätte die Begegnung der beiden wohl nie stattgefunden.

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