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Ausflug nach St. Ottilien

Von Martin Sturmer, 11. Oktober 2018

An diesem Wochenende - vom 12. bis zum 14. Oktober - findet der bereits 7. Klostermarkt in der Erzabtei St. Ottilien statt. Eine gute Gelegenheit, das beeindruckende Klosterdorf zu erkunden.

Wer das erste Mal nach St. Ottillien kommt, wird von der Weitläufigkeit des Areals überrascht sein. Im Klosterdorf befinden sich neben der Mönchsgemeinschaft zahlreiche Einrichtungen, wie ein Gymnasium samt Tagesheim, das Exerzitien- und Gästehaus, die Energiezentrale mit Hackschnitzelheizung und Biogasanlage, Werkstätten, eine große Landwirtschaft, eine Gärtnerei, der EOS-Verlag, ein Klosterladen, ein Hofladen sowie ein Missionsmuseum und ein Nähmaschinenmuseum.

St. Ottilien ist das älteste Missionshaus in Deutschland. Die benediktinische Ordensgemeinschaft wurde 1884 vom Beuroner Mönch Andreas Amrhein zunächst in Reichenbach in der Oberpfalz ins Leben gerufen. 1886 erwarb Amrhein den herrenlosen Weiler Emming, wie der heutige Gemeindeteil St. Ottilien bis 1904 hieß. 1887 wurde schließlich das Kloster gegründet.

Noch im selben Jahr - am 11. November - entsandte Amrhein Missionare nach Deutsch-Ostafrika. 1888 errichteten sie in Pugu bei Dar es Salaam ihre erste Missionsstation. Heute unterhält die Benediktinerkongregation von St. Ottilien insgesamt 56 Klöster auf vier Kontinenten. Aufgrund der zahlreichen Gründungen in aller Welt wurde das Mutterkloster 1904 mit dem Ehrentitel Erzabtei bedacht.

Doch zurück in die Anfangstage des Klosters. Als Amrhein den Weiler erwarb, stand auf dem ehemaligen Herrensitz aus dem 16. Jahrhundert die Ottilienkapelle und ein baufälliges Schloss. Bis auf den an die Kapelle angrenzenden Querbau wurde das Schloss 1894 abgerissen. Doch schon viel früher war Emming als Wallfahrtsort bekannt. Die Wallfahrt zur Heiligen Ottilia (auch Odilia oder Odilie) ist seit 1365 belegt, dürfte aber noch älteren Ursprungs sein.

st-ottilien-ottilienkapelle-1000Blick auf die Ottilienkapelle. Unter dem barocken Gewand aus dem 17. Jahrhundert befindet sich eine spätgotische Kapelle. Der vollständig erhaltene gotische Dachstuhl stammt von 1476.

Die Heilige Ottilia lebte von ca. 660 bis 720. Sie war Äbtissin des von ihr gegründeten Klosters Niedermünster am Fuße des Odilienberges im Elsass und wird als Schutzpatronin des Augenlichts verehrt. Der Legende nach kam sie blind zur Welt. Daher wollte ihr Vater, Herzog Eticho, sie töten lassen. Ihre Mutter konnte das Kind aber retten, in dem sie es in ein Kloster gab.

Dabei handelte es sich vermutlich um das Kloster von Baume-les-Dames östlich von Besançon. Dort wurde sie im Alter von zwölf Jahren vom Wandermönch Erhard von Regensburg getauft. Bei der Taufe erlangte sie ihr Augenlicht. Jahre nach dem Wunder versöhnte sich Ottilia mit ihrem Vater, der ihr einen Besitz auf der Hohenburg im Elsass - dem späteren Odilienberg - überließ.

Nach dem Erwerb des Anwesens durch Andreas Amrhein zogen in Emming eine Männergemeinschaft mit 40 Brüdern und ein Frauenzweig mit 23 Schwestern ein. Beide Gemeinschaften wuchsen rasch. Um den Bedürfnissen zu entsprechen, wurde in neue Gebäude und in die Landwirtschaft investiert. Das Klosterdorf nahm Gestalt an.

st-ottilien-krautergarten-1000Der Kräutergarten der Erzabtei dient dem Anbau von Nutz- und Heilpflanzen, wie Salbei, Kerbel, Fenchel oder Liebstöckel. Die Auswahl der 24 Pflanzen folgt der Empfehlung des botanischen Werks Liber de cultura hortorum ("Hortulus") des benediktischen Mönchs Walahfrid Strabo von Reichenau, das um 840 entstanden ist.

1895 verließ Andreas Amrhein seine Gründung. Von 1897 bis 1899 wurde die Klosterkirche errichtet. Nach der Erhebung des Klosters zur Abtei im Jahr 1902, wurde die Herz-Jesu-Kirche mit ihrem mächtigen 75 Meter hohen Turm am 29. Juni 1903 eingeweiht. 1904 übersiedelte die Frauengemeinschaft an den Starnberger See, sie nennen sich seitdem Missions-Benediktinerinnen von Tutzing.

Über 130 Jahre hinweg hat sich die Erzabtei St. Ottilien zu der oben beschriebenen ausgedehnten Klosteranlage entwickelt. Besucher sollten einen Blick auf das umfangreiche Kursprogramm des Exerzitien- und Gästehauses werfen. Ein längerer Aufenthalt ist die beste Möglichkeit, die Erzabtei mit allen Sinnen zu erleben.

Fotos: Martin Sturmer

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